Samstag, 5. November 2011

Martin ist da:-)

Am Samstag letzte Woche ist Martin angekommen. Hab ihn morgens am Flughafen abgeholt und wir hatten dann gerade genug Zeit um nach Hause zu fahren und seinen Koffer auszupacken, bevor es schon wieder los ging zum Fußball. Ja richtig, Fußball. Und ich bin auch mit. Das heißt das zweite Stadion, dass ich ihn meinem Leben für ein Fußballspiel betreten habe, ist auch gleichzeitig mein zweiter Länderpunkt. Das muss mir auch erst mal jemand nachmachen. Steff und ich wollten uns sogar schon Trikots kaufen (weil Dalian drauf steht;-)), aber die waren ausverkauft…
Das Spiel war natürlich unglaublich langweilig, aber es war wenigstens was los, da es das letzte Spiel der Saison war und einer der Spieler (die Nummer 19) sein letztes Spiel hatte. Steffen hatte sich natürlich die Nummer 19 für sein Trikot ausgesucht, um jetzt festzustellen, dass es seinen Spieler jetzt leider nicht mehr gibt. Dafür war die Pyrotechnik toll. In der Halbzeit wurde so einiges angezündet und die Sichtweite war eine Weile auf ca. 20m gegrenzt….
Leider lief es für Dalian Shide nicht so gut und als es irgendwann 0:2 stand sind auch die ersten enttäuschten Fans aufgestanden und gegangen. Natürlich nicht ohne ihr Sitzkissen vorher in Richtung Spielfeld zu werfen. Das macht man hier so. Als es dann 0:3 stand wurde nicht mehr nur mit Kissen geworfen. Der Schiedsrichter (der ja eigentlich am wenigsten dafür kann…) wurde mit zahlreichen Plastikfalschen beworfen. Hat aber auch niemanden gestört. Auch das macht man hier so. Das Stadion war zu dem Zeitpunkt  aber auch schon wieder halb leer, da beim 0:3 wieder einige gegangen sind. Solche Fans wünscht man sich doch. Wir sind dann auch lieber ein paar Minuten vor Schluss gegangen um unseren Platz im Bus zurück nicht zu verlieren. Natürlich nicht ohne vorher auch unsere Kissen zu werfenJ
Abends sind wir dann endlich Kantonesisch essen gegangen. Seit Ewigkeiten suchen wir einen Kantonesen, da das chinesische Essen in Europa von dieser südchinesischen Küche geprägt ist und wir mal wieder Lust auf ein Stück „Heimat“ hatten;-) Jetzt haben wir einen  gefunden (und neben bei ein weiteres Einkaufszentrum). Hat tatsächlich geschmeckt wie chinesisches Essen in Deutschland;-) Martin wurde so der Einstieg ins chinesische Essen auch etwas erleichtert:-) 

Presentation Week

Seit letzter Woche ist die Uni hier tatsächlich mal anstrengend. Hatte letzten Dienstag meine erste Präsentation in „China´s Foreign Trade Sytems“. Durfte die Außenhandelsstrategie der EU vorstellen. Ein tolles Thema. Aber es lief ganz gut und ich glaube er hat gar nicht gemerkt, dass ich keine Ahnung hatte was ich da eigentlich rede. Das war bei meiner Zalando-Präsentation diesen Mittwoch schon anders. Da kenne ich mich wenigstens ausJ Langweilig wars trotzdem….konnte ja nur zeigen wie man theoretisch Schuhe bestellt und nicht tatsächlich welche bestellen…
Gestern hatte ich dann endlich mit Steff zusammen meine letzte Präsentation in Business Environment. Haben Chevrolet´s Umweltprojekte vorgestellt und ganz großartig auch unseren „Carbon Footprint“ ausgerechnet….wir Umweltsünder leben als hätten wir 4,91 Planten zur Verfügung….zumindest sagt das der WWF Rechner….;-) Jetzt bin ich erst mal froh, dass der Stress rum ist und ich wieder eine Weile nichts tun kann.
Die Präsentationen in Business Enviroment waren aber  zumindest bei der ersten Runde recht unterhaltsam. Die Chinesen könnten einen Kurs wie unser „Skills&Tools“ wirklich mal brauchen. Präsentieren können die ja mal gar nicht. Die erste Gruppe war „etwas“ unvorbereitet…aber da sie eh nur vorgelesen haben könnte man meinen es gab auch nicht viel zu üben….aber auch vorlesen will gelernt sein. Vor allem Englisch. Aber man kann sich ja helfen lassen und den Text einfach von jemandem aus dem Publikum (z.B. von SteffenJ) vorlesen lassen. Ist doch viel bequemer als sich selbst abzumühen. Und da das so einfach war, kann man dann auch gleich einen Chinesen die chinesische Webseite, die man einfach mal eingefügt hat, eben kurz für die Lehrerin und uns Europäer übersetzen lassen….das vorher schon mal selbst zu machen, wäre ja Arbeit gewesen. Gelernt habe ich nur, dass in China Präsentationen möglichst bunt, möglichst unübersichtlich und unleserlich (am besten ist bunte Schrift auf bunten Bildern) und am besten auch 100% kopiert, aber mit möglichst wenig Inhalt sein sollten.
Eine andere Gruppe hatte McDonald´s als Thema. Und McDonalds hat auch quasi die Präsentation für sie gemacht….einfach mal alles von der Webseite kopiert und eingefügt. „Our History, Our Leadership…“ usw. Der alte McDonald´s Werbefilm am Anfang war auch ganz nett, hatte nur absolut nichts mit dem Thema zu tun. Aber einer von ihnen hat tatsächlich bei McDonald´s gearbeitet und am Ende noch ein paar Fotos aus der Küche gezeigt. War gar nicht sooo schlimm. Das Fritierfett wird allerdings erst dann gewechselt, wenn einer der Angestellten  der Meinung ist, dass es mal wieder nötig ist. Der Zeitraum ist damit also eher variabel. Er hat uns auch den heißen Tipp gegeben, besser nicht zu KFC zu gehen. Da wäre es nicht so sauber….hätte er uns das besser schon vor 2 Monaten mal gesagt. Jetzt ist es auch zu spät.
Und ich hab noch was feines bei uns im Supermarkt gefunden....
Black fungus juice....

...und frische Frösche

Dumpling-Party

Letzten Freitag waren wir von der Uni aus zu einer Party einladen. Anders als bei uns in Deutschland fangen Uni-Partys hier schon mittags an und sind dementsprechend früh vorbei;-) Wir haben uns an der Uni mit einer Gruppe Chinesen getroffen und sind dann zur Party losmaschiert. Die Chinesen waren alle ganz nett und konnten auch recht gut Englisch.
Die Wohnung, wo die Party stattgefunden hat war typisch chinesisch  (also extrem kitischig;-)) eingerichtet. Eigentlich war’s auch keine richtige Wohnung, sondern eher sowas wie ein Jugendraum bei uns. Es hab 3 Zimmer mit Tischen, jede Menge Gesellschaftsspiele und auch einen Fernseher mit Videospielen.
Zuerst sollten wir uns alle an den Tischen verteilen und uns in den Gruppen vorstellen. Ich war zusammen mit Steff an einem Tisch und unsere erste Gruppe war  die coolste von denen, die wir hatten. Sie waren sehr interessiert und konnten auch gut genug Englisch, um uns auch ein paar Dinge zu erklären. Zum Beispiel warum Chinesen keine englischen Zahlen lesen können. (Liegt daran, dass sie hier ein System haben, das Zahlen in Blöcke mit 4 Nullen einteilt und nicht wie bei uns mit 3 Nullen. Deswegen kommen sie eigentlich mit allen Zahlen ab 1000 nicht mehr so richtig klar).
Jeweils nach ein paar Minuten wurden sie Gruppen vermischt und man konnte „neue Freunde“ finden. Unsere zweite Gruppe wollte dann ein Spiel mit uns spielen. Jeder hat einen Stapel Karten bekommen auf dem Begriffe wie Prinzessin, etwas geht kaputt, Zauberspruch, alte Frau etc draufstanden. Uns wurde erklärt wir sollten wenn wir von unserem Nachbarn eine Karte gezogen haben zu dem Begriff darauf eine kurze Geschichte erzählen. Meine Nachbarin hat angefangen und „alte Frau“ gezogen. Ihr Geschichte war: Es war einmal eine alte Frau, die die Prinzessin umbringen wollte.“ Tolle Geschichte;-) Wir sollten dann abstimmen ob wir die Geschichte akzeptieren oder nicht. Steff und ich haben natürlich nicht so ganz verstanden wo das jetzt eine Geschichte war, aber gut. Danach war ich dran und ich habe „etwas geht kaputt“ gezogen. Habe dann erzählt wie mein Spiegel kaputt gegangen ist, als ich hier in China angekommen bin…. Meine Geschichte wurde nicht akzeptiert. Ich hatte nämlich leider das Spiel nicht verstanden. Es sollte nicht jeder eine kurze Geschichte erzählen, sondern die angefangene Geschichte weitererzählen. Macht auch viel mehr Sinn. Musste dann eine Strafkarte ziehen und einen Chinesen auf die Wange küssen. Danach lief das Spiel aber besser. Trotzdem kommt man sich vor wie im Kindergarten;-)
Ein erneuter Gruppenwechsel hat uns dann gerettet. Die Gruppe war allerdings nicht so gesprächig und wollte lieber Uno spielen. Sind dann recht bald zum nächsten Programmpunkt übergegangen: „Now that you all found some new friends, we can make dumplings“. Die Tische wurden zusammengerückt und wir durften uns alle mal daran versuchen Dumplings (kleine Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen) selbst herzustellen. Sind kläglich gescheitert, aber es war cool mal zu sehen wie man es eigentlich macht. Sieht einfach aus, ist es aber nicht. Leider schmecken am Ende die gut gemachten auch viel besser. Unsere waren meist nicht fest genug zusammengedrückt und haben sich mit Wasser vollgesogen. Aber naja. Ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wir hatten unseren Spaß und die Chinesen auch.

So sahen unsere Dumplings aus....

....und so sollten sie aussehen;-)


Als dann die rohen Dumplings alle fertig waren (bestimmt 200 oder so…) mussten wir ewig warten um welche essen zu können….die chinesische Unorganisiertheit und Ineffizienz hat wieder einmal zugeschlagen….es gab nur eine Herdplatte und entsprechend nur einen Topf für alle Dumplings. Es wurden dann immer ca 15 auf einmal reingeworfen und 10min gekocht….wie lange es gedauert hat, alle fertig zu haben könnt ihr euch jetzt selbst ausrechnen. Sie waren aber ganz lecker (vor allem die, die von Chinesen  gemacht waren), auch wenn eine Soße dazu super gewesen wäre.
Während wir gewartet haben bzw immer mal wieder kleine Portionen verteilt wurden, wurden weiter fleißig Spiele gespielt. In erster Linie war aber Thorsten ein begehrter Spielpartner. Er hat auch wieder ordentlich Pluspunkte bei den Chinesen gesammelt, dafür dass er auch jeden Spaß  mitmachtJ Es war auch definitiv interessant zu sehen womit 21-jährige Chinesen ihre Freizeit verbringen. Man fühlt sich ein wenig, als wäre man wieder 12….aber ist ja auch mal ganz nett.
Zum Abschluss gab es noch eine große Torte für alle und ein GruppenfotoJ

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Xi'an

Tag zwei in Xi’an fing auch wieder gar nicht gut an….das Frühstück war eine absolute Frechheit. Der Orangensaft war schon gegoren….haben es reklamiert und auch einen neuen bekommen. Ok, kann ja mal passieren. Dass man aber für insgesamt 8 Toast, 4 mal Rührei, 3 Scheiben Käse und eine Wurst 25min braucht wenn sonst wirklich niemand etwas bestellt hat, das muss wirklich nicht sein. Vor allem fragt sie noch, ob das Rührei für einen ist oder ob jeder ein Ei wollte und bringt es dann trotzdem alles auf einem Teller. Der Gipfel war aber der verschimmelte Käse, der auch schon schön in das mittlerweile kalte Toast (macht man ja auch zuerst, damit es dann auch ja schön hart und kalt ist, wenn man es 20min später serviert…) reingezogen ist und auch das Toast ohne den Käse ungenießbar gemacht hat.
Nach diesem Festmahl sind wir dann mit dem Bus zum Nordtor der Stadtmauer gefahren, um dann nach langer Suche feststellen zu müssen, dass man nur am Süd- oder Westtor auf die Mauer draufkommt. Also wieder in den Bus und zum Südtor gefahren. Da durfte ich dann selbstverständlich wieder den vollen Preis zahlen. Mein Ausweis ist ja immer noch in den diebischen Händen eines Chinesen…. Die Kassiererinnen waren aber auch welche von der Sorte, die nur genau das machen kann was man ihnen sagt. Sonst sind sie überfordert.
Die Mauer war zwar zwei Minuten lang ganz nett, aber wirklich was zu sehen gab es nicht. Sie ist nicht wirklich hoch genug, um eine Aussicht zu haben, aber man kann wenigstens die ersten paar Häuserreihen mal von oben sehen. Da ja sowieso schon alles so toll war, hat es natürlich angefangen zu regnen. Einen Schirm hatten wir nicht. Wäre aber auch zu viel Glück auf einmal gewesen. Wollten eigentlich vom Südtor bis zum Westtor laufen und dann von dort ins Muslimische Viertel. Unterwegs haben wir aber festgestellt, dass es etwas weiter ist, als es auf der Karte aussieht. Deswegen sind auch außer uns alle mit dem Fahrrad gefahren. Es wären ca. 4km gewesen…sind also mitten drin dann doch runter und haben lieber ein Taxi (eins von den guten) genommen.  
Im Muslimischen Viertel sind wir erst mal durch eine Art Silk Market gelaufen…..eine Millionen Geschäfte mit gefälschten Sachen. Habe aber nur zwei kleine Täschchen für 30Yuan gekauft. Habe auch top gehandelt. Die gute Frau wollte erst 180.
Im Viertel selbst gibt es in erster Linie Essensstände….haben uns dort auch ein sehr leckeres Fladenbrot gekauft. Es wird von innen an die Wand eines Ofens geklebt und dort gebacken.


Es gab auch tolle Sachen wie Schweinefüße zu kaufen…und auch jede Menge „Metzger“. Naja, jeder Metzger wäre jetzt beleidigt. Es sind eher Garagen, in denen Fleischreste zerkleinert werden….die Knochen wirft man dann auf die Straße zu dem anderen Müll. Die Häute werden auch schön auf einem Tisch ausgestellt….Da vergeht einem auch kurz der Appetit auf Fleisch….und vor allem in der Straße würde ich auf keinen Fall einen der Fleischspieße essen!



In der Gasse wurde auch wieder deutlich wie schlimm es mit den Taschendieben in Xi’an ist. Nachdem ich bestohlen wurde, waren natürlich auch alle anderen vorsichtiger und Steffen hat zum Glück sein Portemonnaie von der hinteren Hosentasche in seine innere Jackentasche verlegt. Sonst wäre es jetzt auch weg. Es laufen nämlich kleine Kinder durch die Menge und tasten die Hosentaschen ab….wenn die was finden, dauert es sicher nur Sekunden bis es weg ist und sie in der Menge verschwunden sind. Naja, ich hatte mein Misstrauen sowieso noch nicht abgelegt, weshalb mich der kleine Junge der mich angesprochen hat und auf Chinesisch vollgetextet hat auch nicht weiter ablenken könnte, sondern ich habe meinen Rucksack nur noch etwas fester umklammert;-)
Danach sind wir nur noch ein bisschen durch die Stadt gelaufen, bevor Steff und ich schon um halb drei den Bus zum Flughafen nehmen mussten. Die Jungs hatten noch ein paar Stunden länger in Xi’an, die sie dafür genutzt haben noch ein paar Schnäppchen auf dem Markt zu ergattern.
Der Flug zurück war einer der turbulentesten die ich je erlebt habe….es ist schon etwas beunruhigend, wenn die eine Stewardess sich auf einen freien Platz setzt und die anderen in die Hocke geht, weil es so wackelt und der Captain anstatt „turbulences“ das Wort „troubles“ verwendet. Vor allem ausgerechnet beim Essen….naja, es lag wohl am schlechten Wetter. Bei Steffen und Fabian war es auch schlimm, aber sie waren wenigstens vorgewarnt.
In Dalian am Flughafen gab es dann auch noch eine kleine Überraschung….als alle noch im Flieger saßen, kamen drei Polizisten rein. Sie kamen bis ganz nach hinten durch, wo wir saßen. Haben uns schon gefragt, was wir angestellt haben, weil hinter uns nur noch eine Reihe war^^ Aber einer aus der letzten Reihe hat dann ebenfalls seine Polizeimarke gezückt und dann haben die vier den Mann, der ganz hinten am Fenster saß aus der Reihe gezogen. Da haben wir dann erst gesehen, dass der gute Kerl die ganze Zeit schon in Handschellen dort gesessen hatte. Im Nachhinein ist mir auch wieder eingefallen, dass die beiden schon dort saßen, als wir reinkamen, obwohl hinten sonst noch alles leer war. Netterweise saßen nur Ausländer hinten und die Frau am Schalter hatte sich schon bei uns entschuldigt, dass sie nur noch hinten Plätze für uns hat….jetzt wissen wir auch warum;-)

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Die Terrakotta-Armee

Am Freitag ging es für Steff, Steffen, Fabian und mich am sehr frühen Morgen los zum Flughafen. Um 7.25h startete unser Flieger nach Xi’an. Recht müde, aber gespannt auf die Terrakotta-Armee, von der wir alle immer gehört haben sie sei so toll, kamen wir auch zumindest wohlbehalten an.
Die Chinesen sind da nicht so zimperlich was Flughäfen in Wohngebieten angeht....

Und das Gepäck wird auch noch schön mit dem Fahrrad zum Flugzeig gebracht

Zugebenermaßen wäre die Armee mit besserer Laune auch sicher schöner gewesen, aber trotzdem hat sich nicht wirklich meinen Erwartungen entsprochen. Der Film über die Armee, der vermutlich vor 30 Jahren schon gedreht wurde und dessen Qualität teilweise so schlecht war, dass man dachte es wäre ein 3D Film, den man ohne Brille schaut, hat mich auch wenig beeindruckt…. Werde ja im Dezember noch mal dort sein (ohne bestohlen zu werden) und mal schauen, ob ich es dann vielleicht doch besser finde.
Please don't pick the flowers

Sind dann mit dem Bus zurück in die Stadt gefahren und dort noch ein wenig rumgelaufen. Eigentlich in Xi’an wirklich eine sehr schöne Stadt. Die Gebäude sind sehr viel schöner und chinesischer als zB in Dalian. Haben in einer kleinen Gasse zu Abend gegessen und uns endlich mal an die Spieße gewagt….man sucht sich aus was man möchte und es wird dann für einen gegrillt. Hätte sehr lecker sein können, wenn nicht alles mit einer extrem scharfen Soße getötet worden wäre….hat also am Ende alles gleich geschmeckt. Werden aber mal schauen, ob wir hier in Dalian nicht etwas Ähnliches finden, wo man sich auch mal hinsetzen kann anstatt die Spieße auf die Hand zu nehmen.


Nach dem Essen sind wir in den Park vor der Wild Goose Pagoda. Dort gibt es einen riesen großen Platz voller Wasserfontainen, die abends eine große Show liefern. Ähnlich wie vor dem Bellagio in Las Vegas, nur viel größer. Die Chinesen machen dort auch mit Vorliebe extrem kitschige Bilder….



Man könnte aber meinen, wir wären zum ersten Mal in einer größeren Stadt, da wir einfach mal am Flughafen in ein schwarzes Taxi eingestiegen sind. Dabei weiß jeder, dass die schwarzen Taxis immer und überall die bösen sind….hat uns dann letztendlich fast 200 Yuan gekostet bis zum Hostel zu kommen. Hab mich natürlich die ganze Fahrt drüber aufgeregt und da ich auch keinen Orientierungssinn habe, war ich auch davon überzeugt, dass wir noch ne Runde extra drehen. Naja, angeblich wäre es mit einem normalen taxi nicht viel billiger gewesen. Das Hostel war zwar auf den ersten Blick ganz ok….unser Zimmer dafür so groß wie eine Sardinenbüchse. Zwei Hochbetten und dazwischen eine Tür breit Platz….Bad war auf dem Flur. Und damit meine ich wirklich auf dem Flur. Nicht einmal eine Tür oder einen Vorhang gab es als Abtrennung zu den Waschbecken. Wenigstens die Toilette hatte eine Milchglas-Schiebetür. Man muss ja sehen, ob besetzt ist….das Schloss ging nämlich nicht so gut….
Nach diesem fabelhaften Start wurde es nur noch besser. Wir sind dann los zur Bushaltestelle um zur Terrakotta-Armee zu fahren…Ein recht voller Bus kam auch gleich. Eingestiegen, bezahlt, Portemonnaie schnell verstaut, festhalten, da der Bus dann schon losgefahren ist….Portemonnaie weg. Hab es nach der nächsten Haltestelle gemerkt als ganz viele ausgestiegen sind und ein Sitzplatz frei wurde. Mein Rucksack war gerade so weit genug auf um das Portemonnaie rauszuziehen. Also nächste Station alle raus. Erst mal aufregen, dass ich so dumm und unaufmerksam war. Ich hatte nämlich schon den ganzen Tag (auch in Dalian am Flughafen) schon das Gefühl, dass ich etwas verliere oder es gestohlen wird. Man sollte besser auf sein Bauchgefühl hören….
Zum Glück war Thorsten noch in Dalian. Hab ihn dann gleich angerufen, da ich von meinem chinesischen Handy keine internationalen Nummern anrufen kann. Er konnte dann zum Glück über Skype meine Kredit und EC-Karte sperren lassen. Aber ärgerlichsten ist daher das Bargeld. Und ich hasse jetzt alle Menschen in Xi’an. Danach war einfach jeder Chinese ein potentieller Dieb und Verbrecher…. Zum Glück hatte ich aber meinen Pass und auch meine Kamera noch. Der Pass und mein Handy wurden sodann in meinem Moneybelt verstaut und auch mal angezogen, wie es sich gehört. Kamera habe ich einfach den Rest des Tages in der Hand gehalten. Rucksack wurde  vorne am Bauch getragen und auch wenn es jetzt nicht mehr zu holen gab die ganze Zeit schön umklammert. Dann noch den „Komm-mir-bloß-nicht-zu-nahe-ich-bring-dich-sonst-um-Blick“ aufsetzen und es konnte mit sehr schlechter Laune auch irgendwann weiter gehen. Im Bus zur Armee musste ich meine Wut auf die Chinesen dann erst mal am Ticketverkäufer auslassen und ihn blöd anmachen, warum wir schon wieder einen Yuan mehr bezahlen sollten als alle anderen im Bus. Sind halt bisschen weiter gefahren als der Rest, aber das war mir in dem Moment auch ziemlich egal. Hauptsache mal jemanden angeschnautzt.
Bei der Armee angekommen war die Laune natürlich noch kein Stück besser und leider habe ich auch den Rest ein wenig damit angesteckt. Uns wurde aber auch mal wieder eindrucksvoll vor Augen geführt wie unorganisiert die Chinesen sind. Man kommt auf dem Gelände an und weiß erst mal nicht in welche Richtung man laufen muss. Schilder gibt es natürlich nur für die Geschäfte und Restaurants. Ist ja auch am wichtigsten, dass die blöden Touristen auch da noch genug Geld lassen. Sind dann irgendwann am Eingang angekommen, aber ohne Ticket kommt man natürlich nicht rein. Sinnvoll wäre es natürlich den Ticketschalter in der Nähe vom Eingang zu haben. Aber sinnvolle, effiziente Dinge sind hier in gern gesehen. Also noch mal 300-400m zurück (natürlich wieder an all den Souvenir-Geschäften mit billigem Ramsch vorbei) zum Ticketschalter. Dort durfte ich dann als Strafe dafür, dass ich mich habe von einem Chinesen beklauen lassen, den vollen Eintritt bezahlen, weil mein Studentenausweis auch weg ist. Zum Glück halten uns hier eh alle für Russen, das heißt mit meiner freundlichen Art mich bei der Kassieren dafür zu bedanken, habe ich wenigstens nicht den Ruf der Europäer geschädigt.
Wieder die 300-400m zurück zum Eingang. Dort wurde dann zum ersten Mal das Ticket kontrolliert und ein kleiner Schnipsel abgerissen. Wenige Meter weiter die zweite Kontrolle, diesmal auch mit Security Check. Zweiter Schnipsel wurde abgerissen….aber man muss ja auch irgendwie Arbeitsplätze schaffen.
Auf dem Gelände gibt es mehrere große Hallen in denen Teile der Armee zu sehen sind. Sind dann aber erst mal ins Museum, wo man schon mal einige einzelne Terrakottafiguren sehen konnte. Ein paar Krieger und Pferde. In der ersten Halle haben wir dann den ersten Blick auf die Armee erwartet, stattdessen gab es….nichts. Ein großes Loch. Super, die Armee hatte wohl gerade Mittagspause.

 In ein paar Ecken konnte man dann aber doch ein paar Trümmerteile von Soldaten sehen, die noch nicht fertig ausgegraben sind.

Also weiter zur zweiten Halle. Die war deutlich kleiner, aber es waren immer hin schon ein paar kleinere Soldatengruppen zu sehen.

In der dritten Halle war es dann auch endlich soweit. Mehrere Soldatenreihen waren zu sehen, aber ich muss ehrlich sagen, dass es lange nicht so beeindruckend war, wie ich gehofft hatte. Erst mal sind zwischen den Reihen immer wieder Mauern, die das ganze unterbrechen und die ich recht störend finde. Und es waren auch nur die ersten 20-30 Soldaten in jeder Reihe restauriert. Dahinter liegen wieder nur Trümmer rum. Die ersten 4 Reihen, die auch ohne Unterbrechung durch die Mauern dort steht, fand ich eigentlich am besten…so hatte ich mir die Armee auf vorgestellt. Aber natürlich war die Halle so gebaut, dass man am vorderen Ende der Armee Treppen hochläuft und von oben runterschauen kann. Dazwischen ist nochmal ein Vorsprung, den aber wohl nur VIPs betreten dürfen. So kann man allerdings die ersten Reihen von dort oben gar nicht sehen….das heißt einen Blick von vorne auf die durchgehenden Reihen gibt es nicht. Danke dafür. Wer sich das schon wieder ausgedacht hat, ist mir ein Rätsel. Sinnvoll oder zumindest interessant wäre auch ein Durchgang auf gleicher Höhe wie die Armee steht, quasi so wie im Zoo bei manchen Gehegen;-) Hätte man ja auch hier machen können….



Dienstag, 25. Oktober 2011

Eine dunkle Woche in Dalian

Die letzte Woche war definitiv die bisher schlimmste hier in China….es ist ja einfach mal so gut wie alles schiefgelaufen. Ich fange mal vorne an….
Letzten Freitag habe ich nach mehreren Wochen ohne Duschkopf endlich mal beschlossen mir im Büro einen neuen zu besorgen. Da ich denen nicht erklären konnte, dass er runtergefallen ist, ohne dass ich irgendetwas gemacht habe war ich natürlich Schuld, dass er kaputt ist. Durfte dann für den 15 Yuan Duschkopf 80 Yuan bezahlen und mir wurde ein neuer eingebaut. Toll. Am nächsten Tag ging dann plötzlich mein Internet nicht mehr. Also gleich wieder hin. Obwohl hier eigentlich am Wochenende alle Geschäfte ganz normal aufhaben, hieß es, es sei ja Wochenende und ich muss bis Montag warten bis das Modem repariert werden kann. Also 2 Tage kein Internet und das eine Woche bevor ich meine erste Präsentation halten muss….zum Glück weiß Thorsten wie man tolle Wlan-Netzwerke erstellt;-)
Man könnte meinen, das reicht erst mal für ein Wochenende. Nein natürlich nicht. Am Sonntagabend war plötzlich ein unfassbar penetranter, chemischer Geruch in meiner Wohnung….hat nach verbranntem Plastik oder ähnlichem, oder auch irgendetwas anderem giftigen gerochen…. Bin dann am nächsten Morgen nach einer Nacht bei offenem Fenster wieder zum Büro (Modem war natürlich auch noch nicht repariert) und habe gefragt wo das herkommen kann….wusste natürlich keiner. Die gute Frau ist dann aber mal mitgekommen und hat zum Glück auch erkannt, dass der Geruch wirklich unerträglich ist (hier in China sind die Menschen ja generell eher unempfindlich in der Richtung). Mittlerweile haben auch ALLE meine Klamotten (selbst die im Schrank) danach gerochen und ich selbst natürlich auch…. Nachdem wir die komplette Wohnung abgesucht haben (als hätte ich das nicht vorher schon gemacht) und wieder nichts gefunden haben, hat sie einen Handwerker gerufen. Der kam dann auch und die Wohnung wurde wieder abgesucht….seltsamerweise konnte man einfach an keiner Stelle sicher sagen, dass es dort stärker riecht als an anderen….auch wenn man die Lüftung angemacht hat wurde es nicht schlimmer…da kam‘s also auch nicht her. Irgendwann sind die Chinesen zu dem Schluss gekommen, dass es die Waschmaschine ist und ich falsches Waschmittel benutzt habe (hatte tatsächlich neues benutzt, aber das gleiche wie die ganzen Wochen zuvor auch…) habe dann angeboten mit anderem Waschmittel noch einmal zu waschen und zu schauen ob es besser wird. Wurde es natürlich nicht. Das Waschmittel ist vollkommen in Ordnung. Da ich aber auch selbst beim besten Willen nicht sagen kann wo der Geruch herkommt, habe ich nach einer neuen Wohnung gefragt. Da muss ich sagen, waren sie dann auch zum Glück sehr kooperativ (allerdings haben sie ja auch selbst gerochen, dass meine alte Wohnung gar nicht ging…) und haben mir eine neue besorgt…Leider musste ich noch einen Tag warten, weil noch Leute drin gewohnt haben;-) War auch ein riesen Spaß, das alles zu organisieren, weil die so gut wie kein Englisch sprechen und ich ja kein Chinesisch kann. Habe also über eine Stunde im Büro gesessen und mich über Google Translate unterhalten. Eine großartige Erfindung, auch wenn nicht alle Übersetzungen Sinn machen….
Auf jeden Fall durfte ich dann mit all meinen Sachen (und das sind mittlerweile erschreckend viele) umziehen und alle meine Klamotten waschen. Die neue Wohnung ist Thorstens alte, aus der er wegen Schimmel ausgezogen ist…also von Chemie zu Schimmel. Aber den Schimmel haben sie einigermaßen beseitigt bzw überstrichen und mittlerweile ist die Luft hier ganz ok. Auch wenn die neue Wohnung zwei Zimmer und ein richtiges Bad hat (also so mit Tür und so;-)) fand ich die alte schöner bzw hatte mich da auch einfach schon eingelebt. Bin aber gestern noch mal vor der Tür gewesen und ich glaube der Geruch ist immer noch da….würde zu gern wissen, was es ist und wo es herkommt….
Kurzzeitig hatte ich mich auch über die Waschmaschine hier in der Wohnung gefreut….ist nämlich eine wie bei uns mit der Tür vorne und mit verschiedenen Gradeinstellungen (die chinesischen waschen nur kalt). Als ich sie dann aber auf gemacht hab, war die Freude schnell vorbei. So was unnötig kleines hab ich noch nie gesehen. Die ist so breit wie eine Waschmaschine bei uns, aber ungefähr 15cm tief….es passen also gefühlte drei Teile rein. Und nach dem Schleudergang (der auch nicht immer funktioniert) steht das blöde Ding quasi mitten in meiner Küche, es läuft Wasser aus und da sie letztes Mal anstatt nach außen in den Raum rein nach innen gerutscht ist und halb unter der Küchenzeile verschwunden ist, weiß ich auch, dass dahinter genug Platz für eine normal große Waschmaschine gewesen wäre. Aber die Chinesen sind auch hier lieber ineffizient.
Ein Highlight gab es die Woche aber doch (später komme ich noch zum Wochenende in Xian, was aber absolut kein Highlight war). Wir haben im Victory Plaza (dem Fake Market bei dem wir mittlerweile sicher schon 10 Mal waren…) endlich die unteren Stockwerke entdeckt. Wenn man es weiß, ist es auch wirklich ziemlich offensichtlich….keine Ahnung wie wir es wochenlang geschafft haben sie nicht zu finden. Aber der Markt ist schon extrem unübersichtlich. Das man ganze Stockwerke übersieht, hätte trotzdem nicht sein müssen;-) Auf jeden Fall hat sich jetzt eine ganz neue (riiiiiiesengroße) Welt voller Handtaschen, Mützen, Schals, Schuhen und allem Ramsch was das Herz so begehrt eröffnet. Einen Schal und eine Mütze habe ich auch schon erstanden. Und ich werde langsam besser im Handeln;-)

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Blue Sky

Am Sonntag konnten wir endlich unsere ersten Aufträge beim Schneider abholen. Seine Schneiderei heißt „Blue Sky“, was aber leider überhaupt nicht zum Wetter am Wochenende gepasst hat. So nebelig war es hier bisher noch nie. Bin mal gespannt wie es jetzt im Herbst wird. Kalt ist es aber zum Glück trotzdem nicht. Meinen wunderschönen neuen Mantel brauche ich also noch nicht. Bin aber sehr zufrieden damit. Er sieht wirklich fast genauso aus, wie auf den Bildern, die ich ihm gegeben hatte. Da er aber weiß ist und daher nicht unbedingt für jeden Tag geeignet ist, habe ich gestern noch einen zweiten Mantel in Auftrag gegeben. Diesmal in dunkelgrau;-) Steff und ich wollten uns eigentlich noch eine Lederjacke machen lassen, aber der Stoff (natürlich Kunstleder) war dann trotzdem zu teuer, weil die blöde Händlerin gesehen hat, dass er für uns ist und dann einen viel zu hohen Preis verlangt hat. Sehr blöd. Wäre der Schneider aber alleine hin, hätten wir den Stoff nicht selbst aussuchen können. Ein Teufelskreis. Später meinte der Schneider aber auch, dass er nicht sicher ist, ob er die Jacke so hinbekommt wie auf dem Foto. Haben es daher lieber sein lassen und suchen etwas Neues aus.

Sonntagabend waren wir auch noch mal lecker Schnitzel essen. Das Essen in Deutschland vermisse ich mittlerweile sehr. So sehr, dass ich mir für 4 Euro 350g Nutella gekauft habe;-) Im Tesco gibt es auch ganz gutes Baguette. Heute hat selbst unsere chinesiche Marketinglehrerin gesagt, dass man in chinesischen Restaurants nicht lange sitzen bleiben kann, weil es so stark nach dem ganzen Öl riecht mit dem sie kochen….und wenn das schon eine Chinesin sagt, dann heißt das schon was. Die Chinesen haben definitiv ein anderes Geruchsempfinden als wir. Im Bus muss man öfters mal die Luft anhalten…. Wir haben aber noch nicht rausgefunden, ob sie wiederum denken, dass wir stinken. Könnte ja sein.
Was auch immer wieder ein Spaß ist, ist Taxifahren. Wir haben uns zwar schon etwas an den rasanten Fahrstil gewöhnt, aber es gibt doch immer wieder Situationen, in denen man denkt sein letzten Stündlein hätte geschlagen. Die Fahrlinien sind hier eher als Empfehlung zu verstehen. Aus einer vierspurigen Straße entsteht so auch schnell mal eine sechsspurige Straße. Der Seitenstreifen wird selbstverständlich auch genutzt. Wäre ja sonst Platzverschwendung. Zebrastreifen sind auch viel mehr Dekoration auf dem Boden. Wir haben zwar schon ein paar Fahrschulen gesehen, aber eigentlich gibt es nur eine Regel und die heißt: Fahren wo Platz ist. Und wenn kein Platz ist, dann wird Platz gemacht. Man kann auch ruhig mal von der linken Spur aus nach rechts abbiegen. Einfach laut und oft genug hupen, dann passiert schon nichts. Auch über dreispurige Straßen bei vollem Verkehr kann man mal quer drüberfahren….wenn man in die andere Richtung fahren will, bleibt einem ja auch quasi nichts anderes übrig. Umwege sind hier nicht gern gesehen (außer der Taxifahrer kann damit noch etwas Geld verdienen). Zum Glück fahren wir hier nicht selbst. Es wird schon eine Umstellung sein, sich zu Hause wieder das Anschnallen anzugewöhnen.

Bauarbeiten gehören in China auch zu den sichereren Jobs